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Abellio, Alstom, NASA und Rolls-Royce führen MTU-Hybrid-Antriebslösung für Coradia Lint-Dieselzüge ein

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  • Vereinbarung über Gespräche und vorbereitende Maßnahmen zur Umrüstung von Coradia Lint-Regionalzügen von Alstom mit Hybrid-Antrieb von MTU
  • Untersuchungen zum Einsatz auf Strecken in Sachsen-Anhalt
  • Umrüstung der gesamten Flotte von 54 Fahrzeugen angedacht

Abellio Rail Mitteldeutschland, Alstom, Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) und Rolls-Royce wollen gemeinsam eine neue Hybrid-Antriebslösung für Coradia Lint-Dieselzüge einführen, die zur Flotte von Abellio gehören. Die Unternehmen haben heute vereinbart, Untersuchungen zur technischen Machbarkeit der Integration von MTU-Hybridantrieben in die Coradia Lint-Fahrzeuge und deren Einbindung in das Dieselnetz Sachsen-Anhalt durchzuführen. MTU ist eine Marke von Rolls-Royce. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Untersuchungen und Sicherstellung der Finanzierung wollen die vier Partner einen Vertrag über die Umrüstung von mindestens drei Fahrzeugen unterzeichnen. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Unternehmen auf der weltweiten Leitmesse für Bahn- und Verkehrstechnik Innotrans unterzeichnet. Eine spätere Umrüstung der gesamten Flotte von 54 Coradia Lint-Fahrzeugen ist angedacht. Die Hybrid-Antriebe verbinden einen modernen MTU-Dieselmotor mit einer elektrischen Maschine und Batterien zur Rückgewinnung von Bremsenergie und senken so Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen um bis zu 25 Prozent. Durch den abschnittsweise rein batterieelektrischen Betrieb wird darüber hinaus die Lärmbelastung in Stadt- und Bahnhofsbereichen um 75 Prozent (20 dB(A)) verringert.

Stephan Schreier, Geschäftsführer Betrieb bei Abellio, sagte: „Als einer der größten Betreiber von Leistungen im Schienenpersonennahverkehr in Sachsen-Anhalt nehmen wir unsere besondere Bedeutung für den Klimaschutz wahr und treiben mit diesem Projekt konsequent den schnellstmöglichen Umstieg auf emissionsreduzierende Lösungen voran.“

Dr. Jörg Nikutta, Geschäftsführer Alstom Deutschland und Österreich, sagte: „Alternative Antriebssysteme sind auch bei der Schienenmobilität nicht mehr wegzudenken. Dabei geht Alstom bereits seit vielen Jahren als Vorreiter voran. Es ist uns wichtig, gemeinsam mit unseren Partnern unserem bewährten Dieselzug Coradia Lint eine weitere Funktionalität hinzuzufügen und auch eine Hybrid-Antriebslösung anzubieten, die schnell verfügbar ist und einen sofortigen Nutzen für Reisende und Umwelt bringt.“

NASA-Geschäftsführer Rüdiger Malter sagte: „Das Land Sachsen-Anhalt engagiert sich für alternative Antriebe und einen emissionsarmen Verkehr. Die geplanten Hybridzüge sind ein kurzfristig realisierbarer Beitrag zu einem umweltfreundlichen Bahnverkehr.“

Lars Kräft, Leiter des Industriegeschäfts bei Rolls-Royce Power Systems, sagte: „Unser MTU Hybrid-PowerPack ist ein zukunftsweisender High-Tech-Antrieb, der die Vorzüge von batterie- und dieselbetriebenen Zügen vereint, ohne dass dazu weitere Infrastruktur benötigt wird. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren Partnern diese Technologie in Deutschland in den regulären Betrieb bringen zu können.“

Abellio wird im Dezember 2018 im Auftrag des Landes Sachsen-Anhalt den Fahrgastbetrieb auf 16 nicht elektrifizierten Strecken in Sachsen-Anhalt mit 54 Coradia Lint-Zügen aufnehmen. Der Vertrag über die Umrüstung der ersten drei dieser Fahrzeuge auf Hybrid-Antriebe von MTU soll bis Ende des Jahres 2018 abgeschlossen werden. Die Umrüstung soll innerhalb von weniger als drei Jahren erfolgen und mit  einem Pilotbetrieb beginnen. Dabei sollen Erkenntnisse für den täglichen regulären Einsatz einer Hybrid-Flotte gesammelt werden.

Der Coradia Lint von Alstom ist ein verbrauchsarmer Dieseltriebzug (DMU), der eine Betriebsgeschwindigkeit von maximal 140 km/h erreichen kann. Angetrieben wird er von je zwei MTU-PowerPacks auf Basis von Motoren der MTU-Baureihe 1800, die die strengen Anforderungen der aktuellen EU-Emissionsrichtlinie der Stufe IIIB erfüllen. Das Hybrid-PowerPack ist eine noch umweltfreundlichere Version dieses bewährten Antriebssystems: Es verbindet einen Dieselmotor mit einer elektrischen Maschine (die sowohl als Motor als auch als Generator eingesetzt werden kann) und dem Batteriesystem MTU EnergyPack, das die Energie speichert, die beim Bremsen zurückgewonnen wird. Dadurch ist auch ein lokal emissionsfreier, batterieelektrischer Betrieb möglich. Die Betriebskosten von Fahrzeugen mit Hybrid-Antrieb sind insgesamt deutlich geringer, unter anderem weil die pneumatischen Bremsen durch die Rekuperation von Bremsenergie geschont werden. Dank der größeren Dynamik und zusätzlichen Antriebskraft des elektrischen Antriebs können Verspätungen aufgeholt und Verbindungen mit kürzerer Taktung oder zusätzlichen Halten geplant werden.   

Der Coradia Lint gehört zu Alstoms Coradia-Reihe modularer Züge, die von mehr als 30 Jahren Erfahrung und erprobten technischen Lösungen profitieren. Es wurden bereits mehr als 2.800 Coradia-Züge verkauft und gegenwärtig verkehren 2.300 davon in Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Schweden und Kanada.

© Abellio
v.l.n.r.: Lars Kräft (Rolls-Royce Power Systems), Rüdiger Malter (NASA GmbH), Stephan Schreier (Abellio Rail) und Dr. Nikutta (Alstom) 
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Powerpack 
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Coradia Lint 41